Die Schätze des OfS

„Da kommt ein Langer auf einem kleinen roten Mofa angerauscht.“ Das kann nur Manfred mit seiner Peugeot 101 sein. Vor 45 Jahren hatte er sie für seinen Vater gekauft, später fuhr der Sohn damit, jetzt ist Manfred damit auf Oldtimerveranstaltungen rund um Wesel zu sehen. Manfreds Vater schwärmte schon lange für Mofas. Da ihm und Manfred aber die Versandhausprodukte nicht gefielen, kaufte Manfred 1972 das neu erschienene Peugeot Mini-Mofa 101 für 608 DM plus 32 DM Überführungskosten und führte es seinem Vater vor – „Das ist aber ein tolles Mofa, wem gehört das denn?“ fragte er. „Dir!“ antwortete Manfred. Da war sein Vater erst mal „platt“!

Er fuhr es 11 Jahre lang – nicht so oft, aber gerne mal auf Ausflügen um Flugplatz oder ähnlichen Zielen. Aufgrund seines geringen Gewichts und der Abmessungen war es auch leicht aus dem Keller zu schieben. Als es dem Vater irgendwann zu schnell erschien, stand es weitere 10 Jahre. Dann erwarb Manfreds Sohn in der Realschule einen Mofa-Führerschein. Das passte prima, denn das Mofa war ja vorhanden. Ein Test zeigte schnell, dass sich da aber nicht mehr viel tat: Das Benzin war verflogen, das Öl hatte sich verfestigt. Also nahm Manfred zum ersten Mal einen Motor auseinander. Das Öl wurde angelöst, Kolben durch den Zylinder getrieben, alle Rückstände entfernt, dasselbe im Vergaser. Danach wurde alles wieder eingebaut. Kolbenringe, selbst die Zylinderkopfdichtung (nur 1100 km Laufzeit) waren noch zu verwenden. Und es fuhr wieder seine 42, pardon – 25 km/h. Manfreds Sohn (er war 1,90 m groß) fuhr mit diesem Mini-Mofa zur Schule. Dort gab es dann Fragen wie: „Kriegt das schon Sprit oder braucht es noch Milch?“ Gelassen ließ er die Kumpels vorwegfahren und rollte das Feld dann von hinten auf!

Irgendwann stieg der Sohn um auf Vespa. Da setzte sich dann Manfred wieder auf das Mofa. Wenn er nach dem eigenen Oldtimer gefragt wurde und „Peugeot 101“ antwortete, waren die Leute der Meinung, er spricht von einem ganz alten Auto. Bei der Typen-Nummer nur zu verständlich. Es macht großen Spaß, mit solch einem absoluten Einzelstück auf Oldtimerveranstaltungen zu erscheinen.

Doch irgendwann ließ die Leistung nach, keine 20 km/h waren mehr möglich. Kein Problem für Manfred: Auspuff ab, den ganzen Ölprött ausbrennen lassen und schon ging´s wieder mit dem gewohnten Speed los. Die Peugeot 101 ist das erste Modell einer Reiche, wurde von 1970 bis 1980 gebaut und gehört zu den selteneren Mofas der Marke, die seit 1898 Motorräder baut. Der Antrieb erfolgt über einen Einzylinder-Zweitakt-Motor von 48 ccm mit automatischer Start- und Fahrkupplung und kann auf Fahrradbetrieb umgeschaltet werden. Die „Leistung“ beträgt 0,71 PS. Die Höchstgeschwindigkeit war in Frankreich auf 35 km/h ausgelegt, oft wurden aber über 40 km/h erreicht. Das Gemisch wurde mit exotischen 1:17 vorgegeben, sinnvoll sind aber 20 – 22. Es gab Ausführungen ohne, mit Vorderrad- und zusätzlicher Hinterradfederung. Das Gewicht betrug 30 – 35 kg. Schon lange sind die Peugeot 101 hier nur noch selten anzutreffen, in Frankreich aber gibt es sie noch häufiger.

 

 

Dieser Artikel wurde in der Kolumne
"Oldtimerfreunde Schermbeck e.V. und ihre Schätze"
bei meinWesel veröffentlicht

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