Ein schöner Herbstsonntag vor dem Willibrordi-Dom in Wesel. Aus einem wunderschönen schwarzen Mercedes Ponton, Baujahr 1957, steigt ein Brautpaar aus. Die Sonne spiegelt sich im auf Hochglanz polierten Lack der Motorhaube, geschmückt mit einem prachtvollen Blumengesteck. Bei diesem historischen Fahrzeug stellt sich die Frage gar nicht erst, ob es sich um einen Oldtimer handelt. Aber ab wann ist eigentlich ein Auto ein Oldtimer?
Der Gesetzgeber hat im Jahr 1997 mit der Einführung des sogenannten H-Kennzeichens eine klare Regelung getroffen: Die historischen Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren zum ersten Mal zugelassen wurden und sich in einem originalen oder zeitgenössisch restaurierten Zustand befinden, sollen als automobiles Kulturgut gefördert und geschützt werden. Dies wird in §23 StVZO geregelt. Aber genau diese Kriterien regen zu Diskussionen an. Deshalb haben die großen Prüforganisationen wie DEKRA und TÜV gemeinsam einen Leitfaden herausgegeben, in denen die allgemeinen Voraussetzungen definiert sind.
Zur Einstufung des Fahrzeugs als „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ (offizielles Amtsdeutsch) muss sich das betreffende Fahrzeug weitestgehend im Originalzustand befinden. Anbauteile und Zubehör dürfen nur der damaligen Ausstattung und dem Zeitgeschmack entsprechen. So sind zum Beispiel moderne LED-Leuchten ebenso ausgeschlossen wie eine Folierung in Carbon-Optik. Ausnahmen gelten in der Regel bei Bauteilen, die die Sicherheit erhöhen. Beispielsweise stellt die Nachrüstung von Sicherheitsgurten im Fondbereich kein Problem dar. Andere Umbauten müssen bereits vor 30 Jahren vorgenommen worden sein und dies nachweislich. Sogar Kleinigkeiten wie der Aufdruck einer Internetadresse auf dem Kennzeichenhalter können eine Oldtimereinstufung verhindern. Erfahrungen im Oldtimerverein Schermbeck zeigen: Wenn man den Zustand des Fahrzeuges durch einen qualifizierten und erfahrenen Sachverständigen überprüfen lässt, gibt es keine bösen Überraschungen. Hierbei empfiehlt der erfahrene Oldtimerclub jedem, der daran interessiert ist, sich schon vor dem Kauf zu seinem angehenden „Oldtimerschätzchen“ beraten zu lassen. Die meisten Prüfingenieure geben in einem kurzen Gespräch gern auch Tipps, um die schlimmsten Stolperfallen zu umgehen.
Tipp: Oldtimerliebhaber können bei der Kfz-Versicherung sparen. Weil Oldtimer in der Regel weniger bewegt werden als herkömmliche Autos, halten die Versicherungen spezielle Tarife bereit. Doch Vorsicht: Hochzeitsfahrten könnten diesen Tarifbedingungen wiedersprechen und somit zu einem teuren Vergnügen für den Inhaber des Oldtimers werden. Viele weitere Tipps und Tricks und vor allem Erfahrungen tauschen die Mitglieder der Oldtimerfreunde Schermbeck in ihrem Vereinsleben aus. Nehmen Sie doch Kontakt auf, falls sie einen Oldtimer suchen, schon besitzen oder einfach Freude am alten Blech haben. www.ofs-ev.de
Dieser Artikel wurde in der Kolumne
"Oldtimerfreunde Schermbeck e.V. und ihre Schätze"
zuerst bei meinWesel veröffentlicht